DDR Friedensbewegung „Schwerter zu Pflugscharen“

DDR-Initative fordert Abrüstung mit „Schwerter zu Pflugscharen“

Ende des 20. Jahrhunderts ist die Welt in den West- und in den Ost-Block eingeteilt. Mit großer Sorge verfolgen die Menschen in Deutschland den Aufrüstungswettkampf des Kalten Krieges. In der DDR bildeten sich Initiativen, die eine Abrüstung forderten und sich gegen die Wehrerziehung in den Schulen einsetzte. Eine besondere symbolische Aktion fand 1983 in Wittenberg statt, als der Kunstschmied Stefan Nau ein Schwert zu einer Pflugschar umschmiedete.

Christen geben Friedensinitiativen in der DDR ein Motto

Ab 1980 bekamen die Friedensbewegungen ein einschlägiges Motto, das von den Christen etabliert wurde. Der Auftrag „Schwerter zu Pflugscharen zu schmieden“, also eine Waffe zu einem Gerät für die Landwirtschaft umzufunktionieren, stammt aus der Bibelstelle Micha 4:1-4.
1959 hatte die Sowjetunion der UNO eine Statue gestiftet, die diese Bibelstelle abbildet. „Man wollte ja zeigen, dass man Fortschritt und Frieden symbolisiert und dass es nur der Westen ist, der Krieg will“, erklärt Eckard Naumann, ehemaliger Oberbürgermeister von Wittenberg.
Die Christen druckten das Abbild der Statue und den Schriftzug „Schwert zu Pflugscharen“ auf Aufnäher. Besonders viele junge Menschen trugen den Aufnäher auf der Kleidung, um ihren Friedenswunsch öffentlich zu zeigen.

Den Worten folgen Taten

Während des Evangelischen Kirchentages in Wittenberg sollten die Friedensworte in die Tat umgesetzt werden. Kurzfristig und heimlich von einer kleinen Gruppe geplant, wurde am Abend des 24. September 1983, im Lutherhof vor einigen Tausend Leuten ein Schwert zur Pflugschar geschmiedet. Weil auch Pressevertreter aus Westdeutschland anwesend waren, wagte es die Stasi nicht die Aktion zu stoppen. So wurde ein starkes Zeichen in der Friedensbewegung gesetzt.

Konfis hören vom Mut der DDR-Jugendlichen

Die Friedensbewegungen stellten in der DDR eine Art Opposition zur Aufrüstungspolitik der SED-Partei dar. Daher fühlte sich der Staat durch das Motto „Schwerter zu Pflugscharen“-Motto provoziert. Wer den Aufnäher trug, wurde oftmals von der Polizei gezwungen ihn zu entfernen. Die zurückbleibenden Löcher machten allerdings gerade durch ihre Leerstelle deutlich, welches Symbol dort zuvor aufgenäht war.  Außerdem musste man Konsequenzen fürchten. Schüler und Studenten wurde etwa der Bildungsabschluss oder die Studienzulassung verwehrt.

Diese Lebensrealität und die Zivilcourage der jungen Menschen damals, soll heute den Konfirmanden in Wittenberg weitergegeben werden. Deshalb können die Konfirmanden der Wittenberger KonfiCamps in die Württemberger Halle der Weltausstellung kommen. Dort befindet sich die Schmiedewerkstatt, in der Stefan Nau das Schwert vorbereitete und Zeitzeugen erzählen, wie sie die Aktion erlebt haben.

Weltausstellung Reformation: Themenwochen

Vom 12. bis 18. Juli steht bei der Weltausstellung Reformation in Wittenberg  die Themenwoche Frieden statt.

Auch in der Lutherbox, die vor der Württemberger Halle steht, haben sich die Besucherinnen und Besucher Gedanken zum Thema Frieden gemacht. Einen kurzen Zusammenschnitt dazu finden Sie hier.

 

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